Impulsabend zeigte Wege zur wirksamen Ortskernentwicklung

Vortragende & LEADER-Management im Rathaus Korneuburg

Wirksame Ortsentwicklung gelingt dann, wenn Menschen gerne in den Ortskern kommen, Geschäfte und Gastronomie funktionieren und vorhanden sind, öffentliche Freiräume attraktiv gestaltet sind und Aufenthaltsqualität bieten sowie die Dominanz des Autoverkehrs reduziert wird. Wie dies gelingen kann und welche Herausforderungen dafür bewältigt werden müssen, war Thema des Impulsabends der LEADER-Region Weinviertel Donauraum am Abend des 21 Mai 2026.

Bereits zum siebten Mal lud die LEADER-Region Weinviertel Donauraum zum jährlichen Impulsabend diesmal ins Rathaus nach Korneuburg ein. Dieses Veranstaltungsformat etablierte sich in den vergangenen Jahren als wichtige Plattform für den Informationsaustausch über zentrale Zukunftsfragen im ländlichen Raum. Über 70 Personen – darunter Bürgermeister:innen, Gemeindevertreter:innen, Planer:innen sowie Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis folgten der Einladung, um die Entwicklungsperspektiven von Ortszentren zu diskutieren.

Impulsabend zeigte Wege zur wirksamen Ortskernentwicklung

Im Mittelpunkt standen innovative Prozesse der Ortskernentwicklung, qualitätsvolle Gestaltung öffentlicher Räume sowie neue Nutzungsformen für leerstehende Gebäude. Expert:innen aus Regionalentwicklung, Landschaftsarchitektur, Standortentwicklung und Gemeindeberatung präsentierten praxisnahe Beispiele und erfolgreiche Ansätze.

Impulse gab es unter anderem zu integrierter Quartiersentwicklung, multifunktionalen Gebäuden sowie zu Beteiligungsprozessen in Gemeinden. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung von Bürgerengagement und gemeinsamer Strategien für lebendige Ortszentren.

Die Veranstaltung bot den zahlreichen Vertreter:innen aus Gemeinden, Regionalentwicklung und Politik nicht nur fachlichen Input, sondern auch Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung.

Impulse, Best Practices und eine klare Botschaft

Eröffnet wurde der Abend von Oskar Januschke, Experte für Stadtkernentwicklung, mit dem provokanten Vortragstitel „Erfolg oder Stillstand im Ortskern“. Sein Impuls sollte wachrütteln und verdeutlichen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderungen ist. Januschke bringt langjährige Erfahrung in der Stärkung von Wirtschaftsbetrieben mit und prägte viele Jahre als Standortmanager die Stadt Lienz.

Besonders spannend war der Beitrag der Landschaftsarchitektin Lilli Lička, die die Bedeutung qualitätsvoll gestalteter öffentlicher Räume für lebendige Ortskerne hervorhob. Sie zeigte auf, dass Plätze nur dann funktionieren, wenn sie aus den Bedürfnissen des jeweiligen Ortes heraus entwickelt werden und Menschen gerne dort verweilen. Attraktive Gestaltung könne nicht einfach kopiert werden, sondern müsse zur Identität des jeweiligen Ortes passen. Im Fokus standen außerdem Begrünung und Durchgrünung von Ortskernen: Baumreihen, Schattenplätze und biodiversitätsfördernde Maßnahmen verbessern nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima und zur Abkühlung in Zeiten zunehmender Hitze.

Johannes Brandl präsentierte einen spannenden Ansatz für die gemeinschaftliche Nutzung von Gebäuden in der Zukunft. Er betonte, dass multifunktionale Lösungen künftig eine zentrale Rolle in den Gemeinden spielen werden. Ein Multifunktionshaus könnte Nahversorger, Café, Spielplatz, Sporteinrichtungen, Wirtshaus, Veranstaltungszentrum sowie Angebote für Wohnen im Alter vereinen. Als vielversprechendes Betreibermodell nannte er Genossenschaften, da sich deren Mitglieder aktiv einbringen und mitgestalten können.

Für den entschuldigten Dominik Ebenstreit stellte Oskar Januschke den in Niederösterreich einzigartigen Prozess der integrierten Quartiersentwicklung am Beispiel Stockerau vor: Bürger:innen, die in diesem Quartier leben und arbeiten, Unternehmer.innen und Eigentümer:innen erarbeiteten gemeinsam mit einem externen Berater Ideen für ihr unmittelbares Lebensumfeld. In einer neuen Zusammenarbeit zwischen Quartiersverein, Gemeindepolitik und Gemeindeverwaltung wird dieser Prozess nun weiter vertieft und in die Umsetzung geführt. Ein Quartiersverein wurde bereits gegründet und wird künftig Veranstaltungen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft im Grätzel organisieren.

Daniel Brüll, Ortskernkoordinator der niederösterreichischen Dorf- & Stadterneuerung, präsentierte die Angebote und Unterstützungsmaßnahmen, die Gemeinden beim Einstieg in die Ortskernentwicklung nutzen können. Als Beispiel führte er Langenzersdorf an, wo aktuell ein entsprechender Prozess gestartet wurde, und stellte die bestehenden Fördermöglichkeiten sowie einen Lehrgang zur Baukultur vor.

Alle Beteiligten waren sich einig: Lebendige Ortskerne sind entscheidend für starke Gemeinden – sozial, wirtschaftlich und kulturell. Die Vortragenden machten deutlich, dass zukunftsfähige Ortszentren nur durch Kooperation, Offenheit für neue Konzepte und gemeinsames Handeln entstehen können. 

Weitere Details zur Veranstaltung finden Sie unter: LEADER Region WEINVIERTEL-DONAURAUM - Startseite

22.05.2026